Wir nähen uns ein Goban

Nachdem ich nun schon mehrfach von verschiedener Seite darauf angesprochen wurde, habe ich mich entschlossen eine kleine Anleitung zu schreiben, wie ich denn mein Goban genäht habe. Warum nähen? Weil es Spaß macht und weil es im Gegensatz zu einem 19×19 Holzbrett deutlich leichter und platzsparend ist. In Verbindung mit Go-Steinen aus Vlies ideal für den Urlaub.goban2

Material

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  • Jeweils Stoff für Vorder- und Rückseite 50x50cm. Für die Vorderseite kann man zum Beispiel Alcantara nehmen, welches dem ganzen etwas Stabilität verleiht. Ruhig etwas mehr Stoff, wenn man sich noch passende Taschen für die Steine nähen möchte
  • Extrastarkes Garn (1 mm) für die Linien. Normales Nähgarn ist nicht wirklich geeignet, da dieses zu viel zu dünnen Linien führt
  • Den Trick-Marker von Prym. Normale Schneiderkreide funktioniert nicht, da sich diese später nicht gut vom Schnittmuster auf den Stoff bringen lassen
  • Passendes Schrägband für den Abschluss
  • Vlieseinlage zum Bügeln, welche die Vorder- und Rückseite später zusammenklebt
  • Schnittmusterpapier
  • Bleistift
  • Linieal (50cm)
  • Band und Knopf für die Schlaufen zum einrollen des Bretts

Falls ihr noch leichte Steine selbst machen möchtet, benötigt ihr noch:

  • Stabiles und dickes Fließ welches nicht ausfranzt
  • Locheisen mit ca. 20-22 mm Durchmesser
  • Hammer

Los geht’s!

Als erstes brauchen wir die Maße des Brettes und der Abstände. Wichtig ist zu beachten, dass die Abstände zwischen horizontalen und vertikalen Linien unterschiedlich sind um optisch ein Quadrat auf dem Brett erscheinen zu lassen, obwohl es sich eigentlich nicht darum handelt. Die offiziellen Angaben (laut Sensei’s Library):

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Beschreibung mm
Breite des Brett 424.2
Länge des Brett 454.5
Abstand der vertikalen Linien 22
Abstand der horizontalen Linien 23.7
Breite der Linien 1
Durchmesser der Hoshis 4

Das Schnittmuster

Als erstes brauchen wir ein Schnittmuster. Dieses sollte größer als die in der Tabelle angegebene Brettgröße sein. Das hat einen einfachen Grund: Wenn ihr das Schrägband zum Schluss annäht liegen die Steine sonst auf dem Band, was ziemlich blöd aussieht.

Ich habe mein Goban so geplant, dass ich auf jeder Seite ca. 2,5 cm Rand habe, wobei davon 1 cm später vom Schrägband überdeckt werden. Ihr habt also 1,5 cm von der äußeren Linie zum Abschlussband. Wenn ein Stein am Rand liegt, habt ihr dann noch 5 mm Abstand zum Schrägband. Die Werte lassen sich natürlich anpassen, ich finde sie aber optisch sehr gut

Mein Schnittmuster hat daher die Größe: 45,5 cm x 48,5 cm.

goban12Wenn ihr dieses geschnitten habt, reicht es die äußeren Linien mit Bleistift einzuzeichnen. Anschließend markiert ihr mit dem Lineal in dem jeweiligen Abstand die Startpunkte der Linien. Der nächste Schritt ist dann, den Stoff zurecht zu schneiden. Wenn das erledigt ist, werden die einzelnen Linien auf den Stoff mit Hilfe des Trick-Markers übertragen. Hierzu geht ihr wie folgt vor.

Um die Linien auf den Stoff zu bekommen ist es am einfachsten an den zuvor markierten Startpunkten der Linien kleine Löcher in das Schnittmuster zu stechen. Dann legt ihr das Schnittmuster auf den Stoff und malt mit dem Trick-Marker über die Löcher, so dass ihr die Punkte nun auf dem Stoff habt. Achtung: Probiert vorher den Trick-Marker auf einem Stücke von dem Stoff aus ob er sich problemlos abreiben/auswaschen lässt! Sind alle Punkte übertragen könnt ihr nun mit dem einzeichnen der Linien auf den Stoff anfangen. Ist auch das erledigt, geht es ans Nähen.

Nähen des Goban

Leider habe ich keine Aufnahmen mehr von dem noch nicht fertig genähtem Brett, also muss ich das wohl so erklären Eigentlich gibt es beim nähen nicht viel zu beachten, doch ein paar Kleinigkeiten sind doch hilfreich zu wissen:goban3

  • Lasst am Start- und Endpunkt das Garn unter dem Brett ruhig mehrere Zentimeter lang und schneidet es nicht ab
  • Macht nicht zu viele dicke Knoten an den Start- und Endpunkten da ihr diese sonst durch das Brett spüren könnt. Zwei Knoten reichen völlig aus
  • Passt beim Nähen auf den Trick-Marker auf. Er ist recht einfach wegzuwischen und nachher steht ihr da und die Linien sind weg. Ich habe zwischendurch die einzelnen Linien nochmal neu nachziehen müssen
  • Stellt eure Nähmaschine so ein, dass die Fadenspannung korrekt ist und zu der Stichweite passt (bei mir ca. 2,5 bis 3mm). Ansonsten zieht sich der Stoff zu sehr zusammen oder aber ihr habt lockere Schlaufen die sich nachher aus dem Brett ziehen lassen

Wichtig: An dieser Stelle müsst ihr euch entscheiden, ob ihr die Hoshis einnähen wollt oder nicht. Ich habe das nicht gemacht, weil ich es schlichtweg vergessen habe. Allerdings stört mich das auch nicht. Wenn, hätte ich sie aber wahrscheinlich von Hand an die entsprechenden Stellen eingenäht. Schreibt doch einfach in den Kommentaren wie ihr das gelöst habt

Sind die Linien genäht müssen nur noch die beiden Stoffe für Vorder- und Rückseite zusammengeklebt werden. Hierzu schneidet ihr ein Klebevlies auf die gleiche Größe und legt sie zusammen. Dann mit einem heißen Bügeleisen zusammenbügeln. Der Kleber wird sicher nicht ewig die Stoffe zusammenhalten, aber er verklebt vor allem auch noch einmal die Enden der Linien.

goban6Zu guter Letzt kommt noch der schwierigste Part: das Annähen des Schrägbandes. Ich persönlich fand es eine Herausforderung das ganze anzunähen ohne das sich das Band total verzieht und insbesondere der Abschluss an den Ecken hat mich in den Wahnsinn getrieben. Ich habe das ganze wie folgt gelöst.

Näht an zwei gegenüberliegenden Seiten das Schrägband normal an und schneidet es an den Enden jeweils sauber ab. Dann nehme ihr das Schrägband und schlagt es nach innen ein um eine saubere Kante zu bekommen. Diese legt ihr dann auf das schon angenähte Band bündig an und näht los. Zum Schluss macht ihr das gleiche am Ende nochmal. Ich hoffe dass das Bild klar macht wie ich das meine.

Zu guter Letzt

goban9Herzlichen Glückwunsch, fertig ist dann euer einzigartiges und selbstgenähtes Goban. Mit Hilfe des Locheisens könnt ihr euch jetzt noch leichte Steine selbst stanzen und mit dem restlichen Stoff Täschchen für sie nähen. Zum zusammenrollen bietet es sich zudem an, Schlaufen oder ähnliches zu basteln, mit dem das ganze dann auch transportabel ist.

Ach ja, und wenn ihr vielleicht noch ein 9×9 Goban aus Holz bastelt, dann könnt ihr das 19×19 umdrehen und als schöne Unterlage nehmen

goban13Ich hoffe das ich euch animieren konnte eure eigenen Gobans zu nähen und bin gespannt auf eure Ergebnisse.

Viel Spaß beim nähen!

 

 

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